Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen
Bereits zum Ende des letzten Jahrzehnts - zwischen 1998 und 1999 - waren die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland zurückgegangen. Mit der Jahrtausendwende aber sind sie umso kräftiger angestiegen: Um rund 50 Prozent legten sie auf eine Rekordmarke von 39.470 im Jahre 2003 zu. In den letzten beiden Jahren kam es wieder zu einem leichten Rückgang. Nun bleibt zu hoffen, dass diese sanfte Erholung nicht wieder in einen massiven Anstieg der Insolvenzen mündet.
Privatpersoneninsolvenzen auf dem Vormarsch
Seit dem Jahre 1999 bietet das Insolvenzrecht auch Privatpersonen die Möglichkeit, sich in einem gerichtlichen Verfahren von Schulden zu befreien. Mehr und mehr überschuldete Verbraucher nutzen dies. Waren es 1999 nur 7.250 Privatpersonen, die ein Insolvenzverfahren beantragten, so sind es 2005 fast 100.000 (98.400). Vor dem Hintergrund von rund drei Millionen überschuldeter privater Haushalte in Deutschland ist ein Ende dieser markanten Zugänge nicht abzusehen.
Insolvenzen nehmen weiter zu
Die Gesamtinsolvenzen eines Jahres lassen sich unterteilen in betroffene Unternehmer, Privatpersonen sowie sonstige Insolvenzen, zu denen etwa Vereine oder Stiftungen und überschuldete Erben gehören. Alle Insolvenzen zusammengenommen verzeichnen 2005 einen Zuwachs von 15,3 Prozent auf 136.300 Fälle (Vorjahr: 118.260). Während die Unternehmensinsolvenzen leicht abgenommen haben, kommt es bei den Privatpersonen zu einem deutlichen Zugang. Zugelegt haben auch die sonstigen Insolvenzen - allerdings weniger markant (plus 7,1 Prozent).
Verarbeitendes Gewerbe schneidet gut ab
Von den Rückgängen bei den Unternehmensinsolvenzen profitiert vor allem das Verarbeitende Gewerbe. Waren in diesem Wirtschaftsbereich 2004 noch fast 3.300 Betriebe betroffen, so sind 2005 weniger als 3.000 Unternehmen insolvent geworden (minus 8,3 Prozent). Nur dem Groß- und Einzelhandel gelingt es nicht, die Insolvenzwelle zu verlassen. Auch in diesem Jahr gibt es einen - wenn auch geringfügigen - Anstieg von 0,5 Prozent bei den Insolvenzen in diesem Wirtschaftsbereich.
Schadensvolumen nimmt ab
Die Kurve zu den Insolvenzschäden von Unternehmen in den letzten zehn Jahren zeichnet die Insolvenzentwicklung insgesamt nach. Auch bei den Ausfällen privater und öffentlicher Gläubiger kam es gegen Ende der neunziger Jahre zu einem Rückgang. Mit der Jahrtausendwende stiegen die Schäden allerdings dann wieder auf ein bisher ungekanntes Maß an. Der Höhepunkt wurde 2003 mit einem Schadensvolumen von 40,5 Mrd. Euro erreicht. Immerhin 37,5 Mrd. Euro betragen die voraussichtlichen Ausfälle der Gläubiger aber auch 2005 noch.
Weniger Unternehmen werden gegründet
Die Gründungsbilanz für 2005 hat sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Bei den Neueintragungen ist ein Rückgang von 5,2 Prozent hinzunehmen – bei den Löschungen ein Zugang von 2,6 Prozent. Immer noch ist der Gründungssaldo positiv: Fast 216.000 neue Unternehmen sind in den Registern per Saldo neu eingetragen worden. Unter dem Strich sind dies allerdings 23,8 Prozent weniger Betriebe als im Vorjahr. Festzuhalten bleibt, dass nicht alle Eintragungen zu wirtschaftsaktiven Unternehmen führen, die Arbeitsplätze schaffen und zur Wertschöpfung beitragen.
Quantität ersetzt nicht Qualität
Die letzte Regierung hatte Gründungen von Unternehmen in Deutschland kräftig gefördert. Diese Bemühungen führten zu einem Anstieg bis auf über 960.000 Neueintragungen im Jahre 2004. Gerade die Diskussion um die Ich-AG zeigt allerdings, dass es nicht immer gelingt, aus Arbeitslosen Unternehmer zu machen: Am Ende stehen dann möglicherweise auch steigende Löschungen, wie sie seit 2003 zu erkennen sind (2003: 643.000; 2005: 694.900).