Gute Stimmung im trüben Dezember
Sachsens Firmen verkaufen mehr. Allerdings wachsen die Sorgen vor dem Frühjahr.
Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im Dezember erneut aufgehellt, nachdem es sich schon im November stabilisiert hatte. Die Klimaindikatoren in Ostdeutschland insgesamt und Sachsen sind ebenfalls gestiegen. Grund dafür sind die Meldungen der sächsischen Unternehmen bezüglich ihrer Geschäftslage. Den Verlauf der zukünftigen Geschäfte hingegen schätzen die Firmen ungünstiger ein als im Vormonat. Das erwartet auch Konjunkturforscher Robert Lehmann in der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts: „Der jüngste Anstieg des Sachsenbarometers darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in einer konjunkturell schwierigen Phase befinden. Im Laufe des Jahres 2011 haben sich insbesondere die Geschäftserwartungen der Unternehmen im sächsischen Verarbeitenden Gewerbe eingetrübt. Dies passt zu unserer veröffentlichten Konjunkturprognose, in der das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen im kommenden Jahr nur noch um 0,4 Prozent expandieren dürfte."
Gute Lage, schlechte Aussicht, aber mehr Jobs in der Industrie
Der Ifo-Geschäftsklimaindex im Verarbeitenden Gewerbe Sachsens hat sich im Dezember auf dem Wert des Vormonats stabilisiert. Maßgeblich für diese Entwicklung sind die Angaben der Industriefirmen hinsichtlich ihrer momentanen Geschäftssituation. Die Zukunftsaussichten hingegen sind weiterhin von Verunsicherung geprägt. Per saldo erwarten die Befragungsteilnehmer einen ungünstigeren Verlauf ihrer Geschäfte. Die Exporteure hoffen für die nahe Zukunft auf kräftigere Impulse aus dem Auslandsgeschäft. Ihre Mitarbeiterzahl wollen die Unternehmen insgesamt weiterhin erhöhen.
Baufirmen sind gut beschäftigt, Ausblick verbessert sich
Die Bauunternehmen sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage weiterhin sehr zufrieden. Zudem berichten nur 34 Prozent der Befragungsteilnehmer von Behinderungen ihrer Bautätigkeit. Der Grund: Meist fehlen ihnen die Aufträge. Die Geschäftserwartungen haben sich im Dezember aufgehellt. Die Meldungen über einen günstigen bzw. ungünstigen Verlauf gleichen sich aus. Bei der durchschnittlichen saisonbereinigten Auslastung der Geräte ist ein Anstieg gegenüber dem Vormonat feststellbar.
Handel verkauft mehr und plant Neueinstellungen
Im Handel hat sich das Ifo-Geschäftsklima im Dezember aufgehellt. Groß- und Einzelhändler schätzen sowohl ihre derzeitige Geschäftslage als auch die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten günstiger ein als im November. Sie berichten zudem von gestiegenen Umsätzen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ob neue Stellen entstehen oder wegfallen, dazu zeigen sich unterschiedliche Tendenzen. Während die Firmen des Einzelhandels ihre Mitarbeiterzahl etwas stärker erhöhen wollen als im November, planen die Großhändler, ihren Personalbestand künftig zu reduzieren.
Weniger Firmenpleiten dank guter Konjunktur
Die günstige Konjunktur hat zu einem Rückgang der Insolvenzen geführt. Im Jahr 2011 mussten 1580 sächsische Unternehmen Insolvenz anmelden. Das waren 8,1 Prozent weniger als noch 2010, als 1720 Fälle gezählt wurden. Auch deutschlandweit war ein Rückgang der Insolvenzzahlen festzustellen, der bei 5,8 Prozent lag. Die Firmen profitieren laut Thomas Schulz, Prokurist bei Creditreform in Dresden, vom Aufschwung: „Dank der guten Konjunkturlage befindet sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren." Die Insolvenzquote, also die Zahl der Insolvenzen bezogen auf alle Unternehmen, liegt im Freistaat mit 1,07 Prozent (2010: 1,16 Prozent) aber höher als im Bundesdurchschnitt (0,96 Prozent).
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der SZ, erscheint monatlich in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des
Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform Dresden.